vor dem licht
fotografie bedeutet wörtlich, mit licht zu schreiben oder zu zeichnen. aber licht allein erzeugt noch kein bild. das bild beginnt vorher.
am anfang meiner arbeit steht eine innere vorstellung davon, was ein bild sein kann. diese vorstellung bestimmt den ort, den ausschnitt, die perspektive, den moment und später auch das material und den prozess. die kamera ist dabei kein autor, sondern ein werkzeug, mit dem eine gedankliche idee in eine sichtbare form übersetzt wird.
der zufall ist material, nicht methode
der persönliche wille zur gestaltung liegt meinen arbeiten immer zugrunde. zufall ist willkommen, besonders in historischen und chemischen verfahren, weil er spuren, oberflächen und kleine abweichungen erzeugen kann. er darf ein bild bereichern, aber er bestimmt die arbeit nicht. die grundlegende bildentscheidung bleibt bewusst.
vom bild zum objekt
wet plate collodion, platin- und palladiumdruck und andere historische oder alternative verfahren sind für mich keine nostalgische rückkehr. sie sind zeitgenössische fotografische werkzeuge. sie verlangen zeit, chemisches wissen, handwerkliche präzision und erfahrung. jede entscheidung hinterlässt eine reale spur im späteren bildobjekt.
in einer zeit, in der bilder technisch nahezu unbegrenzt erzeugt, verändert und reproduziert werden können, interessiert mich die gegenposition: das einzelne bild, der reale fotografische akt, die persönliche entscheidung und die sichtbare spur seiner entstehung.
das bild beginnt nicht mit der kamera.
es beginnt vorher.